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Vogelbeerenmus: Vorsicht gesund!

Das Märchen von den Vogelbeeren ist ein ähnliches, wie das Märchen vom Fliegenpilz. Die Farbe Rot scheint bei den Menschen unterbewusste Warnwirkung zu haben. Jedenfalls ist weder der eine noch die andere giftig. Höchstens unverträglich und hier kommt es, wie so oft, auf die Dosis und die Zubereitungsart an. Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern, in der wir über so gut wie jedem Baum mit roten Beeren daran (wir wussten nicht, welcher nun die Vogelbeeren trug) sagten: „Bloß nicht essen, das sind Vogelbeeren und die sind giftig!”

Naja, heute bin ich eines besseren belehrt. 

Die Eberesche: Ein Heilbaum

Die knallroten Vogelbeeren sind die Früchte der Eberesche, deren Blätter und Blüten ebenfalls heilsame Eigenschaften besitzen. Sowohl die Blätter als auch die Beeren können bei Magen-Darm-Störungen wie Appetitlosigkeit, Magenverstimmung oder Durchfall hilfreich sein und wirken zudem harntreibend. Die Blüten finden traditionell Anwendung bei Husten und Bronchitis. Beides als Arzneitee. 

Die roten Beeren, die sich dieses Jahr ab Ende August / Anfang September gezeigt haben, sind vor allem bei Vögeln beliebt. Daher auch der Name. Eichhörnchen verspeisen sie auch gern. Geerntet werden sollen sie idealerweise nach dem ersten Frost, da dann die Bitterkeit etwas abnimmt, doch aufgrund der sich verschiebenden Jahreszeiten ist das derzeit kaum möglich. Das Märchen von der Giftigkeit hat sich wohl aus der Unverträglichkeit der rohen Beeren heraus verselbstständigt. Wie die Beeren des schwarzen Holunders auch, müssen sie gekocht werden, damit sie für uns genießbar sind. Ansonsten sind sie zu herb, bitter und nur schwer verträglich. Eine kleine Menge frischer Beeren kann abführend wirken. Eine größere Menge kann aufgrund der enthaltenen Parasorbinsäure den Magen-Darm-Trakt reizen und zu Erbrechen und Durchfall führen. 

Das Abkochen der Beeren baut die Parasorbinsäure zu Sorbinsäure ab. Jetzt stehen eher die stopfenden Eigenschaften im Vordergrund, die vor allem auf das enthaltene Pektin und die Gerbstoffe zurückzuführen sind. Außerdem enthalten die Früchte sehr viel Vitamin C, Carotinoide, organische Säuren, ätherisches Öl, Sorbit und Bitterstoffe. Beim Kochen wird ein großer Teil des Vitamin C zerstört und was danach noch enthalten ist, wäre nur über einen Labortest nachweisbar. Doch gehen beim Kochen nicht alle Stoffe kaputt und der bittere Geschmack verrät, dass das Mus auf jeden Fall noch ein nützlicher Helfer für Leber, Galle und Verdauung ist.

Du kannst die Beeren übrigens auch als Dekokt trinken. 

Dekokt: 1 TL gequetschte Beeren zusammen mit 150 – 250 ml Wasser im Topf aufkochen. 10 – 15 Minuten köcheln, abseihen. 

Rezept Vogelbeerenmus

Ich habe nicht so viele Vogelbeeren gefunden, was im Nachhinein gut war, denn die zwei kleinen Gläschen, die ich herausbekommen habe, reichen vollkommen. Ich sage nur: bitter! Nach ein paar Wochen Reifung im Glas sind sie allerdings nicht mehr so bitter, wie kurz nach dem Kochen.

Du nimmst also deine Menge an gesammelten Vogelbeeren und kochst sie in etwas Wasser ca. 45 bis 60 Minuten. Wasser abgießen, die Beeren in ein feines Sieb geben und hierdurch in einen Topf streichen. Das braucht Muckis! Die Menge abwiegen und mit 1:1 Zucker kurz aufkochen. Weil die Masse immer noch sehr bitter war, was allerdings auch vo Baum zu Baum verschieden ist, habe ich nach Augenmaß noch Zucker hinzugegeben. Immer noch bitter! Das Mus wird in desinfizierte Schraubgläser abgefüllt. Es eignet sich für mich persönlich für eine kleine Bitterstoffkur. Evtl. kann man es nachträglich noch als Zutat für Chutneys nutzen, da gilt es wieder auszuprobieren. 

Fertiges Vogelbeerenmus

Die Mährische Vogelbeere gilt übrigens als wohlschmeckend, da die Beeren weniger Bitterstoffe und noch mehr Vitamine besitzen. 

Ich nehme einen halben TL Mus am Morgen etwa 15 – 30 Minuten vor dem Frühstück. Die Bitterstoffe regen die Verdauung an und stärken Magen, Leber und Galle.

Viel Spaß beim Ausprobieren! 

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