InSelbstgemachtes

Hausgemachter Waldmeistersirup x 2

Spoiler-Alarm: Variante 2 (meine) schmeckt noch besser! 😊

Mein Herz und ich unternehmen jedes Wochenende Fahrradtouren, sobald der Frühling da ist und das Wetter es zulässt. Wir entdecken wirklich jedes Mal eine schöne neue Strecke. Letztens waren wir in der Großhansdorfer / Hoisdorfer Gegend unterwegs und haben einen richtigen Waldmeister-Wald gefunden. Überall waren dicht bewachsene Kissen zu finden, alle in Blüte. So schön, ich liebe das ja, wenn im Frühjahr und Frühsommer alles saftig ist und in Blüte steht. Also habe ich die Chance genutzt und zur Weiterverarbeitung gesammelt. Das erste Mal übrigens, man lernt ja nie aus! Die Jahre zuvor habe ich allerdings auch nie welchen gefunden. 

Das Heilkraut Waldmeister

Waldmeister ist wirklich sehr leicht zu erkennen und auch für unerfahrene Kräutersammler(innen) eine sichere Bank. Zur Not hilft die App PlantNet. Waldmeister kommt nie allein, sondern immer in Gesellschaft. Die Blätter sind wirbelig zu 6 bis 8 Stück am Stängel angeordnet, meist 3 Paar Wirbel pro Stängel. Eine Pflanze hat einen aufrechten, glatten, vierkantigen Stängel mit einer Krone aus kleinen, weißen Blüten. Der Duft nach Vanille ist unverkennbar und spätestens, wenn man ein Blättchen abknipst und es zerkaut, schmeckt man das Aroma. Richtig entfaltet es sich erst nach 2 bis 3 Tagen Trocknung, genauso verhält es sich mit der Wirkung. 

Verwendbar sind die oberirdischen Teile als ganzes, getrocknetes, Kraut oder nur die Blätter, wie z.B. für den Sirup. Man sammelt kurz vor und während der Blüte. Das enthaltene Glykosid Cumarin entfaltet Duft und Wirkung erst, wenn die Pflanze etwas welk ist. In der Schulmedizin werden Waldmeisterextrakte unter anderem für Venenerkrankungen verwendet. Das Cumarin soll gefäßstabilisierende, entzündungshemmende und antiödematöse Eigenschaften besitzen. In der Volksmedizin ist der Waldmeister vor allem wegen seiner krampflösenden und beruhigenden Eigenschaften beliebt. Er ist bei Schmerzen und Schlafstörungen hilfreich. Cumarin kann bei Überdosierung, die immer ganz individuell ist, Kopfschmerzen verursachen. Aus diesem Grund wird empfohlen, für eine Bowle nur 2 bis 3 Stängel auf einen Liter Wein zu verwenden. Das erscheint mir etwas wenig. Ich habe sehr viele Stengel für mein Sirup genommen und wir vertragen ihn bestens. Die tolerierbare Obergrenze zur Einnahme von Cumarin liegt bei 2 mg pro kg zubereiteter Speise. Als Tee über einen längeren Zeitraum sollte man Waldmeister nicht verwenden, da Leberschäden nicht ausgeschlossen werden können. Nun kann natürlich niemand sagen, wieviel Cumarin im fertigen Sirup enthalten ist, aber wenn man Kopfschmerzen bekommt, sollte man entweder weniger nehmen und evtl. den Waldmeister ganz vom Speiseplan streichen, wenn die Symptome immer wieder auftreten. 

Wie Paracelsus sagte: “Alle Ding’ sind Gift und nichts ohn’ Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.”

Waldmeistersirup  

Ich habe zwei Varianten ausprobiert. Eine nach dem gängigen Rezept, mit einer kleinen Änderung. Die zweite nach meinem Ermessen. Das Sirup wird übrigens nicht grün. Der frische Waldmeister muss auf jeden Fall mindestens 2 Tage antrocknen, da er dann erst sein typisches Aroma entfaltet. 

Variante eins, gängiges Rezept

  • 1 l Wasser (ich nehme immer nur unser gutes, gefiltertes Wasser! Dazu muss ich unbedingt mal einen Beitrag verfassen)
  • 750 g Rohrohrzucker (in diesem Fall braun, es geht aber auch weiß, dann verfälscht die Farbe nicht so)
  • 1 handvoll Waldmeisterkraut (50 – 60 Stängel. Mehr als in anderen Rezepten, aber ich will ja was schmecken)
  • 1 Zitrone, bio

Die Blätter von den Stängeln entfernen. In allen Rezepten werden die Blätter an den Stängeln verbleibend ins Wasser gehängt, was aber so geschehen muss, dass die Stängel nicht im Wasser hängen, da sie Bitterstoffe enthalten, die den Sirup verderben würden. Hier kann man es sich auch einfacher, und meiner Meinung nach effektiver, machen und die Blätter gleich von den Stängeln zupfen. 

Die Zitrone in Scheiben schneiden.

Wasser und Zucker aufkochen, bis der Zucker sich aufgelöst hat. Immer wieder rühren. 

Etwa 15 Minuten abkühlen lassen, Blätter und Zitrone ins Wasser geben. Jetzt 2 – 3 Tage bei Zimmertemperatur ziehen lassen. Ich habe den Ansatz 3 Tage stehen lassen. 

Dann durch ein feines Sieb, wenn winzige Teile enthalten sind, zusätzlich durch ein Leintuch, abfiltrieren, noch mal aufkochen und in sterile Gläser füllen. Der Sirup ist mindestens 4 – 6 Monate haltbar, aber ganz ehrlich: Mein Holunderblütensirup vom letzten Jahr ist immer noch weltklasse. 

Variante zwei, meine Version

Bis auf die Zitrone habe ich dieselben Mengen an Zutaten verwendet. Zitrone hier nur eine halbe, und zwar den ausgepressten Saft und die abgeschälte Schale, ohne die weiße Schicht. Sie ist bitter. 

Auch habe ich den angetrockneten Waldmeister nach 2 Tagen zusätzlich in den Tiefkühlschrank gepackt, weil dann das Aroma noch stärker werden soll. 

Die abgezupften Blätter habe ich zuvor etwas im Mörser gequetscht, denn Sirup wird in vielen Fällen mit angequetschten Pflanzenteilen angesetzt. Macht Sinn, da dann mehr Aroma- und Wirkstoffe austreten. 

Den Sirup-Ansatz habe ich auch wieder drei Tage ziehen lassen und dann genauso weiter verarbeitet. Ich bin super happy, denn diese Variation schmeckt eindeutig mehr nach Waldmeister!

Gutes Gelingen, viel Spaß und guten Appetit!

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