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Krankheitsbild Reizdarm – mein Erfahrungsbericht Teil 1: Von Ärzten und Ernährungsberatern

Alle da draußen, die von Reizdarm oder anderen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen betroffen sind, wissen wovon ich spreche, wenn ich sage: Es ist eine laaaaaange Odyssee. Viel Tappen im Dunkeln. Ein Vor- und Zurück. Es ist frustrierend. Reizdarm ist eine Erkrankung, die sehr diffus und individuell ist und sich vor allem durch die Kombination diverser Symptome wie (Bauch)Schmerzen, Blähungen, Verstopfung, Durchfall, etc. definiert. Und nicht nur der Körper, sondern auch auch Geist, Seele und Umfeld spielen eine wichtige Rolle für Entstehung, Verlauf und Heilung dieser Erkrankung. Sie definiert sich außerdem über ihre Dauer, also die Chronifizierung. Wenn mal ein paar Monate die Darmflora nicht intakt ist, macht das also noch keinen Reizdarm. 

Wenn ich an meinen persönlichen Krankheitsverlauf zurückdenke, dann fing das eigentlich bereits mit der Essstörung an, die ich in meiner Jugend entwickelt und erst mit etwa 22 Jahren vollends überwunden habe. Und überwunden bedeutete zunächst mal, wieder normal zu essen und es auch nicht wieder über künstliches Erbrechen loszuwerden. Letzterer Zwang war das erste Symptom der Erkrankung und am schwersten abzulegen. Und dann geht es ja noch darum, wirklich mit seinem Körper zufrieden zu sein und aufzuhören, Kalorien zu zählen. Jedenfalls ist mein gesamter Verdauungstrakt seitdem aus dem Gleichgewicht und die erste Magenschleimhautentzündung hatte ich dann auch mit etwa 25 / 26 Jahren. Selbige hat sich irgendwann verselbstständigt und seit diesem Zeitpunkt hatte ich auch immer wieder Magenschleimhautentzündungen, die zuletzt kaum mehr richtig heilten. 

Rennen von Arzt zu Arzt

Mein Krankheitsverlauf führte mich also schon vor vielen Jahren auf den Weg der Symptom-Ergründung, Nahrungsergänzungsmittel und Ernährungsanpassungen. Ich habe so viele Arztbesuche hinter mir, dass ich mich oft genug gefragt habe, ob ich wirklich erst Anfang Dreißig oder doch schon eine alte Frau bin. Die Anzahl lag leider auch daran, dass ich weder Heilung noch sonstige wirklich hilfreiche Ansätze erfahren oder an die Hand bekommen habe. Oft genug habe ich eine Praxis mit dem Gedanken verlassen, dass das jetzt wirklich das letze Mal war, weil es reine Zeitverschwendung ist. Erst hier in Hamburg habe ich einen Gastroenterologen gefunden, der empathisch ist und mit dem man auch mal ausführlicher sprechen kann. Doch abgesehen von theoretischem ärztlichem Wissen ist hier trotzdem der Wille zur Selbstheilung das oberste Gebot. Die ersten hilfreichen Diagnosen, die ich vor knapp zehn Jahren erhalten habe, lauteten Laktose- und Fruktoseintoleranz. So weit so gut. Dass man eine chronische Magenschleimhautentzündung hat, darauf kann man auch selbst kommen. Aber was ist bloß mit meinem Darm los? Erst der oben genannte Arzt hat mich darauf hingewiesen, dass ich zum einen auch noch eine so genannte Glutensensibilität und wahrscheinlich einen Reizdarm habe. Es musste erst das Jahr 2017 zu Ende gehen, bis ich diese Diagnose schwarz auf weiß hatte. Man kann das testen, es ist sehr unangenehm und mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden. 

Ich kann hier wirklich nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, doch ich denke, dass es sehr vielen von euch genauso geht: Wenn man sich ausschließlich auf Ärzte verlässt, dann ist man verlassen. Ich habe in den ganzen mehr als zehn Jahren, in denen ich diesem Krankheitsbild nun auf der Spur bin, nicht einen Arzt erlebt, der wirklich ganzheitlich denkt, zusätzlich einen individuellen Blick auf die Sache hat und der wirklich offen für alternative Methoden und einen holistischen Ansatz ist. Und am Ende bin ich dann eine „schwierige – entschuldigen Sie, das war etwas unschön formuliert – anspruchsvolle Patientin.” Merke: Man darf in Gegenwart von Ärzten nicht selbst denken und vor allem nichts hinterfragen. Außer es macht einem nichts aus, die schwierige – pardon – anspruchsvolle Patientin zu sein.

Ernährungsberatung Nr.1: Die goldene Erkenntnis, dass Parmesan und Butter okay sind

Ich habe also schon vor vielen Jahren nach der Diagnose Laktose- und Fruktoseintoleranz eine Ernährungsberaterin aufgesucht, die mir nicht viel Neues erzählen konnte außer, dass ich Parmesan und Butter problemlos essen kann. Ich bin damals zuerst auf laktosefreie Produkte umgestiegen und daraus wurde mehr und mehr, Milchprodukte fast gänzlich zu meiden. Vor allem aus dem Grund, weil Milch kein nützliches Lebensmittel ist, wir sie im Erwachsenenalter nicht brauchen (im Kindesalter auch nicht) und sie durchaus schädlich sein kann. Milch wird mit der Entstehung bestimmter Krebsarten wie Darm-, Brust- oder Prostatakrebs in Verbindung gebracht. Verantwortlich dafür sind die Bovine Meat and Milk Factors (BMMF) – Rindfleisch gehört auch dazu – die zunächst chronische Entzündungen verursachen und fördern. Daraus können sich in der Folge ernsthafte Erkrankungen entwickeln. Daneben möchte ich einfach keine Milch mehr trinken oder Joghurterzeugnisse essen, weil sie unter widrigsten Umständen produziert wird und voll von Medikamenten, Antibiotika und Eiter ist. Dem Käse habe ich zwar nie vollends abgeschworen, doch auch er findet kaum den Weg in meinen Magen, da ich seit 2016 nur noch sehr selten Brot esse. Das Ergebnis einer weiteren Ernährungsberatung. Und wenn Brot, dann bio und Dinkel-Sauerteig. Es heißt, dass Dinkel-Sauerteig-Brote noch am besten verträglich sind. Ich kann davon trotzdem nicht viel essen. Bei Brot und Brötchen ist die Zubereitungsart ein wichtiger Faktor für die Verträglichkeit. Ein Teig muss reifen können. Bio-Brote dürfen normal lange reifen, was den Teig verträglicher macht. Die enthaltene Hefe ernährt sich von verschiedenen Zuckern im Mehl. Sie braucht aber Zeit, um selbige zu verwerten. Lässt man der Hefe diese Zeit, dann sind die FODMAPS (fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccharide und Polyole), von denen angenommen wird, dass sie für die typischen Reizdarmsymptome verantwortlich sind, verdaut und der Teig wird verträglich. Industriell produzierte Teigwaren werden künstlich schneller gereift, was den Teig somit unverträglich macht. Aber das ist auch nur ein Teil des Puzzles. 

Ernährungsberatung Nr. 2: Weg mit dem Brot und morgens Salat

Die oben erwähnte Ernährungsberatung von 2016 hat zugegebenermaßen einiges gebracht, war aber auch nicht die Lösung für meine Situation. Damals wusste ich auch noch gar nichts von meinem Reizdarm und alles war einfach nur durcheinander. Ich habe daraufhin ein paar Dinge umgestellt, die ich auch bis heute so beibehalte, weil ich damit wirklich gut fahre: Meinen Abendsalat habe ich auf das Frühstück gelegt. Morgens ist das Verdauungsfeuer am heißesten (kleiner Ausflug ins Ayurveda) und kann vom Salat bis zum scharfen Curry einiges vertragen. In meinen Salat kommen Saaten, Kerne, Sprossen, Gemüse, Feta (gerade nicht, da wir Paleo-Light machen), Kräuter, ein Spiegelei und ein schönes Dressing mit selbstgemachtem Essig. Mittags kochte ich nach wie vor mit viel Gemüse, einer proteinhaltigen Beilage und Reis, Hirse, Kartoffeln, etc. Damals wurde mir gesagt, dass ich abends spätestens bis 18:30 Uhr gegessen haben soll, damit der Magen beim Zubettgehen möglichst leer ist. Und zwar nur gedünstetes Gemüse. Das habe ich lange durchgezogen, aber irgendwann hat es nicht mehr in meinen Tagesrhythmus gepasst und so esse ich auch manchmal zwischen 19:00 – 19:30 Uhr. Hauptsache, drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen, das ist wichtig. Denn wenn der Magen nachts zu tun hat, schläft man zum einen schlecht und zum anderen entstehen Gärprozesse, die unser System in Unruhe versetzen. Ich habe etwa neun Monate lang zusätzlich ein teures Probiotikum und einige, ebenso teure, Nahrungsergänzungsmittel eingenommen. Fazit: Ich konnte keinen klaren Effekt abgrenzen. Die klassische Brotzeit fiel damals komplett weg und das hat sich seitdem gehalten. Erst Anfang dieses Jahres (2019), als ich mal wieder eine neue Beratung in Anspruch genommen habe, weil sich an der Grundsituation nichts geändert hat, haben wir das bereits erwähnte bio Dinkel-Sauerteig-Brot wieder eingeführt. Zumindest ab- und an. Und jetzt auch wieder nicht mehr. Ich sage ja: Es ist ein Vor- und Zurück!

Ernährungsberatung Nr. 3: Die FODMAP-Diät

So, nachdem ich also seit über einem Jahr die Diagnose Reizdarm hatte und mein Gastroenterologe mir auch nicht weiterhelfen konnte, weil er an meiner Ernährung nichts auszusetzen hatte und einfach nicht weiter wusste, habe ich die von ihm empfohlene FODMAP-Diät ausprobiert. FODMAP bedeutet fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccharide und Polyole, was verschiedene Zuckerarten sind, die nach aktuellem wissenschaftlichen Stand diverse Darmprobleme verursachen und sich somit auch auf den Reizdarm auswirken. Ich habe mich bei einem Institut, das die Begleitung komplett online anbietet, angemeldet. Meine Krankenkasse übernimmt 80 Prozent der Kosten. Die Diät lief über zwei Monate, eine App und vier oder fünf virtuelle Sitzungen mit einer Ernährungsberaterin. In dieser Zeit lässt man alle Lebensmittel weg, die FODMAPS enthalten. Dazu gehören Hülsenfrüchte, Zucker, Honig, diverse Kohls, fast alle Obstsorten, Trockenfrüchte, vieles an Gemüse und so weiter. Kurzum: spaßbefreites Essen. Aber so was von. Das ist sogar mir schwer gefallen. Tricky an dieser Methode ist allerdings, dass man nach den zwei Monaten einige der „verbotenen” Lebensmittel wieder langsam einführen soll, weil es eigentlich eine Mangelernährung ist. Man muss zu viel an essenziellen Nahrungssmitteln weglassen, was die Darmflora auf andere Art schädigt: Vielen Bakterien wird die Nahrungsgrundlage entzogen und sie sterben. Mein Fazit zur FODMAP-Diät: Sie hat mir nur bedingt geholfen, ich habe keine besonders prägnante Linderung erfahren. Die mir zugeteilte Ernährungsberaterin hat mich in Leistung und Kompetenz nicht überzeugt, da fehlte mir persönlich die individuelle und fachliche Tiefe. Die Listen mit den FODMAPS findet man im Netz und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man kein Geld für eine Diät ausgeben muss, wenn man sich mit seiner Nahrung befasst und kochen kann. Außerdem habe ich auch schnell Zweifel daran gehabt, ob FODMAP für Reizdarm wirklich der Weisheit letzter Schluss ist. Momentan ist das auch wieder nur eine weitere Erkenntnis, die die Wissenschaft gesammelt hat. Aber eben auch eine einseitige, weil sie sich nur auf einige Lebensmittel stützt.

Was nach der Diät ins Rollen kam und mir zum ersten Mal wirklich geholfen hat und hilft, lest ihr in der Fortsetzung des Beitrags. 

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