InSchamanismus

Mein Weg zum Schamanismus

Ich weiß es noch so genau, als ob es gestern gewesen gewesen wäre. Meine erste Erfahrung mit schamanischen Praktiken, die mein Leben nachhaltig geprägt hat. Das war im November 2014 in Berlin, als ich eine schamanisch Praktizierende aufgesucht habe. Weil ich Antworten suchte. Antworten auf viele Fragen und Zustände, die ich mir auf der Ebene, auf der ich mich damals noch befand, nicht selbst geben konnte. 

Ich hatte ab Juli 2011 – auch das weiß ich noch sehr genau, weil ich zwei Tage später meinen Seelenpartner kennengelernt habe; doch das ist eine andere Geschichte – bereits mit Meditationstechniken experimentiert. Dass ich das weiter verfolgt habe ist einem transzendentalen Zustand zu verdanken, in den ich damals unwillentlich gefallen bin. Daraufhin wurde mein Interesse an erweiterten Bewusstseinszuständen ohne Einfluss durch Substanzen größer. Ich habe geübt und einige Zugänge zu neuen Ebenen und Begleitern gefunden. Über eine damalige Freundin mündete dieser Weg in die wunderbare und faszinierende Welt des Schamanismus.

Durch die Pforten der Wahrnehmung 

Ich besuchte damals also eine Frau, die bewandert in schamanischen Techniken war, und erhoffte mir Antworten auf Fragen rund um meinen Weg, meine Gesundheit und auch ein bisschen Heilung. Ich war etwas überrascht, als ich erstmal Karten ziehen sollte. So beginnt sie immer, um herauszufinden, was eigentlich gerade Thema ist. Diese Karten waren speziell, ich hatte sie noch nie zuvor gesehen und habe immer noch keine Ahnung, was man suchen muss, um sie zu finden. Ich meine mich zu erinnern, dass ich auf Nachfrage keine konkrete Antwort erhalten habe. Jedenfalls war ich angenehm überrascht, wie eindeutig und passend zu meiner Situation damals die Ergebnisse ausfielen. Sie sagte mir, dass ich wohl ein Händchen dafür habe. Nachdem also der Grund meines Erscheinens geklärt war, begann sie mit der Behandlung. Ich legte mich auf bequeme Felle, es wurde mit Palo Santo geräuchert, sie trommelte sich in Trance und begann ihre Arbeit in der Außerzeitlichkeit. Ein anderes deutsches Wort dafür ist Anderswelt, das liegt mir aber nicht so. Während dieser Reise geschah etwas mit mir, das war merklich zu spüren, und ich reiste ganz automatisch ein Stück des Weges mit ihr. Wie sich herausstellte, nahm ich Dinge wahr, die auf ihrer Reise tatsächlich so passiert sind.  

Sie sagte mir, was sie gesehen hat, was sie bearbeitet hat und dass sie mir einen Begleiter geholt hat, der seitdem an meiner Seite ist. Hierzulande heißen diese Begleiter Krafttiere, doch im Ur-Schamanismus sind das einfach die Tier- und Ahnengeister, die zu einem gehören, oder mit denen man für bestimmte Fragestellungen und Aufgaben in Kontakt tritt. Ich verließ ihre Praxis und fühlte mich wie neu geboren. Aufgeladen, voller Licht und Zuversicht, hell und geschützt vor dem Wahnsinn der Welt. Es war ein dunkler, verregneter Herbsttag in Berlin. In den öffentlichen Verkehrsmitteln warteten die Menschenmassen auf mich. Der Zustand hielt einige Tage an und war unter anderem mit einer geschärften Wahrnehmung, aber auch erhöhter Empfänglichkeit für Reize auf anderen Ebenen verbunden. So wie nach meinem transzendentalen Erlebnis 2011. Die Erfahrung war so einschneidend, dass ich gar nicht anders konnte, als den Schamanismus weiterzuverfolgen. 

Am Anfang war die Trommel 

Weihnachten stand vor der Tür und mein Wunsch war klar: Ich wollte eine eigene Trommel haben. Nach der Behandlung habe ich aufgrund von Tipps meiner Freundin schon einmal erste Reisen in die Außerzeitlichkeit unternommen. Doch die Technik, die sie mir nannte, lag mir nicht. Zu kompliziert und sie wirkte zudem aufgemacht. Und ich hatte keine Trommel, die aus verschiedenen Gründen wichtig ist: Sie ist das weltliche Tor zur Außerzeitlichkeit. Sie hilft dabei, in veränderte Bewusstseinszustände überzutreten und gibt den Takt an, mit dem man sich durch die außerzeitlichen Welten bewegt. Sie schützt und begleitet den Reisenden. Auch rhythmische Trance-Tänze, rituelle Körperhaltungen oder pflanzliche Substanzen sind Mittel zum Zweck, um den Bewusstseinszustand zu verändern und Zugänge in parallele Welten zu finden. Als meine Trommel den Weg zu mir fand habe ich also erstmal fleißig geübt, doch die Ergebnisse waren noch mehr oder weniger chaotisch. Wie der Zufall so wollte, gab die Schule, bei der meine Behandlerin ihre schamanische Ausbildung gemacht hat, Ende Januar 2015 ein Einsteiger-Seminar in Berlin, das ich natürlich gebucht habe. Seitdem lerne ich bei der Foundation for Shamanic Studies, Österreich. Die FSS wurde von Michael Harner, einem international anerkannten Anthropologen, gegründet. Harner erforschte vor allem schamanische Praktiken im Amazonasgebiet und weitete seine Forschungen weltweit aus. An seiner Schule wird Core-Schamanismus gelehrt, was im wesentlichen eine Zusammenfassung der welt- und kulturübergreifenden Gemeinsamkeiten von schamanisch geprägten Stämmen und Gesellschaften ist. 

Die Welten – die Bewusstseinsebenen – die Außerzeitlichkeit

Meine eigene Trommel schon im Gepäck, ging es also los. Ich war total froh, dass ich in diesem Seminar lernte, wie ich mir Zutritt zu den diversen Welten der Außerzeitlichkeit verschaffen kann, da die andere Methode nicht passte. Eigentlich ist es ganz einfach. Man visualisiert seinen Kraftplatz, wenn man nicht gerade live dort ist, nutzt Tunnel, gleitet durch Membranen oder bleibt in dieser mittleren Welt, allerdings auf der anderen Seite. Wichtig ist immer, dass die Bewusstseinswelten getrennt voneinander sind und man beim Übertritt eine Art Hindernis überwinden muss. In einigen schamanischen Völkern in Sibirien ist es üblich, bei der Initiation so etwas wie Zäune um die geistigen Welten zu bauen.* Diese haben natürlich Pforten, wie oben beschrieben, und dienen dem Schutz, bewahren aber auch. Bei der schamanischen Arbeit selbst ist es sehr wichtig, sich vor den Leiden und Zuständen der Patienten zu schützen, damit man sie nicht aufnimmt. Auch dafür wird unter anderem die Trommel verwendet. Auch diverse Kraftgegenstände kommen zum Einsatz und ich habe das z.B. so gelernt, dass man im veränderten Bewusstseinszustand nicht direkt am Patienten arbeitet, sondern über die Geisthelfer. Die Grundstruktur der Außerzeitlichkeit ist in drei Welten geteilt: 

Die mittlere Welt ist diese hier. Man kann sie im veränderten Bewusstseinszustand betreten und so beispielsweise herausfinden, ob sich Entitäten (Kräfte) in der Wohnung befinden. Was sie wollen, was für Wesenheiten das sind und ob sie Begleitung in ihre eigentliche Welt benötigen.

Die obere Welt ist die Heimat der Ahnengeister, also der Seelen Verstorbener. Hier kann man z.B. Informationen von selbigen einholen, Behandlungen erfragen und selbst auf Ahnenforschung gehen. 

Die untere Welt ist die Welt der Tiergeister. Hier findet man auch seine tierischen Begleiter. Manche bleiben ein Leben lang, andere kommen, um uns durch bestimmte Lebensphasen zu begleiten, und gehen wieder, wenn die Bestimmung erfüllt ist. Neben den Tiergeistern leben hier aber auch weitere Entitäten. 

Es gibt viele weitere Welten, die man erkunden kann, und sie alle haben einen ganz bestimmten Zugang. Ich bewege mich noch durch die Unterwelt, die Welt der Verstorbenen, die noch keinen Zugang zur Ahnenwelt erhalten haben, und durch die Welt der verlorenen Seelenteile. Je länger ich mit diesen Welten arbeite, desto größer werden sie und wachsen, wie eine Landkarte, zu der wieder und wieder ein neues Stück hinzugefügt wird. Mit ihr wächst auch die Zahl an Verbündeten und die Fähigkeit, sich dort sicher und gezielt zu bewegen. 

Schamanismus im Alltag – Zurück zur Seele

Seit ich mich dieser uralten und bewährten Technik zugewendet habe, konnte ich einige Dinge in meinem Leben positiv beeinflussen. Das Wandeln zwischen den Welten und die kontinuierlichen Erweiterung des eigenen Bewusstseins bergen im Grunde unbegrenzte Möglichkeiten für Heilung und Wissenserweiterung. Denn was unter anderem in diesen veränderten Bewusstseinszuständen passiert ist, dass wir auf Informationen zugreifen können, die auf dieser, der geistigen Eben, nicht verfügbar sind. Doch sie sind immer da und der Menschheit liegen nachweislich seit etwa 50.000 Jahren (!!!) die Werkzeuge vor, um diese Ebenen zu betreten und in den unendlichen Informationsfluss einzutauchen. Diese Welten, die die Außerzeitlichkeit füllen, sind die Welten unserer Seele. Hier kommen wir her, hier waren wir schon immer zuhause und hierhin werden wir zurückgehen, wenn wir sterben. Der Geist, der Verstand, auf den unsere moderne Gesellschaft so versessen ist, wird uns nicht helfen, Zugang zu diesen Seelen-Welten zu finden. Das funktioniert nur, wenn wir eine oder mehr Ebenen höher gehen. Observe the observer: Beobachte den Beobachter: Beobachte deinen Verstand und frage dich dabei, wer oder was da gerade deinen Verstand beobachtet.

Nach einigen Umwegen – mal mehr, mal weniger gesund, aber immer aufschlussreich –, unendlich vielen Gedankengängen und Analysen zu meiner Vergangenheit, Kindheit, meinem Verstand, meinem Leben, waren es am Ende die schamanische Arbeit und der tiefe, wahre Kontakt mit meiner Essenz, die mir neue Wege zu wirklicher Heilung ermöglicht haben. Und die Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen. 

Ich werde mich nie Schamanin nennen, denn das steht mir nicht zu. An dieser Stelle zitiere ich einen Satz aus Nauwalds unten genanntem Buch*, den ich so unterschreibe: „Schamane zu sein ist eine Berufung und bedarf nicht nur der Gnade der Geister, sondern auch einer Verwurzelung in der in schamanischer Weltsicht lebenden Gemeinschaft.”

Ich stehe noch ganz am Anfang dieses Weges und lerne ständig neues dazu. Das Feld ist ja schier grenzenlos. Sowohl im weltlichen als auch im außerzeitlichen Sinne. Mehr dazu werdet ihr hier nach und nach lesen. 

*Nana Nauwald: Bärenkraft und Jaguarmedizin – Die bewusstseinsöffnenden Techniken der Schamanen

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